Meine Studiengeschichte ist trotz meines noch recht jungen Alters recht bewegt. Zunächst wollte ich als frisch gebackener Ex-Zivi in Online-Redaktion einsteigen und in meine geliebte linksrheinische Stadt Köln umziehen. Ich hatte eh bereits in Krefeld die besten Jahre meines Lebens verbracht und war nach nun 6 Jahren Kiel und fast 5 Jahren Dänischenhagen (Kreis Rendsburg) fertig mit dem Norden. Auf jeden Fall “irgendwas mit Journalismus” machen. Am besten noch online. Das Internet wird immer wichtiger. Online-Redaktion war die beste Wahl.
FH Köln, Geschrieben, Beworben, Verloren: Der Studiengang bietet nur 40 lächerliche Plätze. Bei meinem Abitur eine zweistellige Wartesemesteranzahl zur Folge …
Die FH Kiel bietet neuen Studiengang an: Internet Science & Technology. Oh wow! Was ist das? Schnell zum Studieninfotag hin.
“Das Internet wird immer wichtiger! Daher bieten wir diesen Studiengang an.” Studienordnung: Programmieren, Internet Anwendungen, Elektrotechnik … Okay alles erstmal technisch, aber hey, damit wird man Internetprofi. Also beworben, eingeschrieben und los gehts.
Die Ernüchterung kam jedoch recht schnell nach dem ersten Semester. Zwar alles bestanden, aber irgendwie nicht das, was ich mir vorgestellt hatte. Internetprofi? Fehlanzeige. Bis auf ein Fach hatte keines mit dem Netz der Netze zu tun. Verkappte Informatiker wollte man ausbilden. Da ich kein Heavy Metal höre nichts für mich.
Im zweiten Semester nur noch 2/3 der Klausuren bestanden: Datenbanken, Informatik 2 … Nee! Unschaffbar, gar nicht mein Gebiet! Der Wunsch zum Wechsel wurde immer lauter. Ins dritte Semester habe ich noch reingeschaut und aus Laune nebenbei das FCE gemacht. Bestanden “B”. Hey, ich kann wenigstens Englisch sprechen. Wahnsinn … Toll …
Ich habe sonst nicht mehr eine einzige Klausur mitgeschrieben. Ich wusste, ich breche das Studium ab. Keine Chance …
So wie ich es getan habe, haben es auch noch 70% des Semesters gemacht. Wir haben mit ca. 50 Leuten angefangen. Im 3. Semester waren es noch 20. Davon haben die wenigsten alle Klausuren geschafft.
Die weitere Zeit wälzte ich im Internet an verschiedenen Hochschulen und Unis die Studienangebote. Schnell fiel mein Blick auf auf “Literatur- und Medienwissenschaften”. Beste Wahl: Kein elendiges Bachelor mehr, endlich eine Chance auf Journalismus. Bücher lesen statt Programmcode.
Beworben –> abgelehnt. “Die Studienplätze bei Magister als Hauptfach bieten wir hauptsächlich ausländischen Studenten an!”
Ja nee, is klar …
Im dritten Semester gefiel mir die BWL-Vorlesung bei Internet Science doch sehr gut. BWL studieren? So wie jeder andere und xy? Snob werden und hohen Kragen tragen? Klar!
Nochmal genau das Studienprofil gecheckt: Hmm…, ich bewerbe mich auch für Wirtschaftsinformatik, dann werde ich meinen geliebten Computern nicht ganz untreu und bleibe fit in der EDV. Beide Bewerbungen gingen wieder an die FH Kiel: BWL: ABSAGE! Wirtschaftsinformatik: ZUSAGE!
Nochmal Studienordnung gecheckt: Ca. 60% BWL-Anteil und der Rest oberflächliches Programmieren und Computerspielkram. Wirtschaftsinformatik, ich komme!
Das neue Studium machte auch gleich ziemlich viel Laune. Soft Skills, Gruppenarbeit, viel Kontakt mit Kommilitonen. Trotz Informatikanteil kaum Fachidioten. Natürlich auch viele, die dachten sie seien die IT-Profis schlechthin, obwohl der Schwerpunkt auf Wirtschaft liegt, aber jeder, wie er will.
Die meisten Klausuren waren auf Anhieb zu bestehen. Einige Knackpunkte ergaben sich bei besonders großen Klausuren im wirtschaftlichen Bereich, aber auch Wiederholungen trugen bisher Früchte des Erfolges.
Inzwischen bin ich im sechsten Semester … jaja ich weiß … ein Semester länger als geplant … aber nützt nichts. Dafür ist das letzte Semester das vielleicht beste. Freiwillig belegte ich noch das neue “Onlinemarketing”, was sich aber als beste Entscheidung im gesamten Studium herausgestellt hat. Onlinemarketing wird immer wichtiger. Das Social Web blüht und die Markenbildung wird durch Nutzermeinungen immer mehr geprägt.
Das Fach machte riesig Spaß und ich hatte auch eine tolle Gruppe. Ich habe Carina wieder getroffen, H. war dabei und Göktuğ rundete die Gruppe ab. Es war einfach allerbestens launig.
Coole Skype-Sessions, viele Ideen und was haben wir gelacht!!
Es war zwar viel Arbeit und wir mussten ständig Zwischenpräsentationen halten, aber das Endergebnis war beeindruckend.
Sonst musste ich noch Operations Management und Finanzierung belegen. Operations Management war auf deutsch eher spröde, daher habe ich nun die englische Fassung belegt. Mit Göktuğ waren die Vorlesungen immer sehr spritzig. Ich sag nur Slack et al. Finanzierung ist eher blöd und leider auch durch die Dozentin
Jetzt muss ich nur noch diese zwei Klausuren bestehen und bin dann scheinfrei. Irgendwie auch traurig. Das Studentendasein wird zwar gerade im Bachelor verflucht, aber is auch irgendwie cool. Dieses ständige philosophieren, was man nach dem Studium eigentlich macht. Verplant Party machen gehen, jobben und viel trinken.
Danach wartet das echte Leben mit geregelten Arbeitszeiten und mehr Gehalt. Das “echte” erwachsene Leben. Hmm …
Mal sehen …
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